Über die Schulzeiten

Vor 15 Jahren hatte ich mich im Rahmen der Abschlussarbeit meines Lehramtsstudiums mit der Problematik der Schulzeiten in der luxemburgischen Grundschule befasst. Seither arbeite ich als Lehrer an einer Grundschule, deren Stundenplan aus schulorganisatorischen Zwängen Kindern, Eltern und Lehrern ab dem zweiten Zyklus tägliche Schwankungen zumutet, die aus chronobiologischer Sicht ziemlich befremdlich, wenn nicht gar bedenklich erscheinen müssten.

U.a. deswegen habe ich den Vorstoß des Bildungsministers Claude Meisch im vergangenen November begrüßt, einen neuen Stundenplan in der Grundschule einzuführen, da die Vorlage des Ministeriums dem tagesrhythmischen Unsinn des an meiner Schule gültigen Stundenplans ein Ende bereiten könnte.

Letzten Sonntag hat mich nun ein Radiobeitrag von Bernt von zur Mühlen daran erinnert, dass ein täglich gleichmäßiger Schulschluss allerdings erst eine von mehreren nötigen Verbesserungen darstellen würde, damit aus einer Reform der Schulzeiten ein möglichst großer pädagogischer Nutzen gezogen werden könnte. In seinem regelmäßigen Brief an Tante Frieda, zu hören in der Dageschronik auf radio 100,7 meint Bernt von zur Mühlen: 

Obwohl die medizinische Forschung weltweit seit Jahrzehnten weiß, dass ein Schulunterricht vor 9 Uhr nichts, aber auch gar nichts bringt und regelrecht schädlich ist, werden die Kinder und Jugendlichen wie im vorigen Jahrhundert traktiert. Schüler am Morgen in Bussen, Straßenbahnen und auch in den Privatautos der Mütter sind im Zustand des Halbkomas. Der Körper hat zu wenig Schlaf bekommen, die Laune ist im Modus Frust und Machtpolitiker in Schulgremien und Pädagogik landauf landab reden dummes Zeug warum ein Schulunterricht vor 8 Uhr, ja sogar um 7.30 Uhr schon immer funktioniert habe.

und …

Die pädagogische Welt, die ohnehin in steinzeitlichen Kategorien denkt, weigert sich nach der Devise zu handeln „mehr Schlaf wagen“.

Er fordert deswegen mit Verweis auf das neuseeländische Schulsystem „Schule erst ab 9 Uhr in der Früh.“

In meiner Abschlussarbeit hatte ich darauf verwiesen, dass die Erkenntnisse aus Chronobiologie und Kinderschlafforschung bereits vor rund 20 Jahren Schulzeiten empfahlen, welche sicherlich auch dazu beigetragen haben, dass Neuseeland regelmäßig in der Spitzengruppe der PISA-Studien landet, wogegen Luxemburg sich regelmäßig am Tabellenende befindet. Angesichts der bevorstehenden Überarbeitung des luxemburgischen Stundenplans kann ich mich der Forderung Bernts von zur Mühlen demnach nur anschließen.

Kinder und Roboter lernen zusammen schreiben

Wissenschaftler der EPFL haben ein System names CoWriter entwickelt, das Kindern die schreiben lernen ermöglicht selbst in die Rolle des Lehrers zu schlüpfen indem sie einem Roboter das Schreiben beibringen.

Das Konzept basiert auf der Unterrichtsmethode Lernen durch Lehren welche sich besonders bei schwachen Schülern auszeichnet indem sie das Selbstvertrauen dieser Kinder stärkt und sie zum Lernen motiviert.

Raining in Baltimore

Den Philippe Wampfler huet an engem Tweet en Artikel vun Ars Technica verlinkt, dee weist wéi wichteg et ass, déi Jonk net eleng ze loossen, net am virtuellen a scho guer net am reale Liewen.

Am Artikel gëtt de Fall vun engem 12-järege Meedchen aus Baltimore beschriwwen dat an d'Schoul gaangen an dunn net méi heem komm ass. D'Meedche war vun engem  32 Joer ale Mann deen et online kenne geléiert hat entfouert ginn. Den Täter huet an där Zäit bis d'Police d'Meedche rëmfonnt hat, dëst mat Hëllef vu sengen Daten, déi et ë.a. op Online-Servicer vu Microsoft an Apple hannerlooss huet, zweemol sexuell vum Meedchen abuséiert.

Jee no Berichterstattung riskéieren esou Meldungen bei besuergte Leit d'Angscht virum Internet ze verstäerken an dass probéiert gëtt, de Kanner den Accès op den Internet an d'sozial Medien ze spären. Esou Mesure kéinten allerdengs kontraproduktiv sinn, dofir wier et besser d'Kanner opzeklären an hinnen ze erkläre firwat si sech net op esou Relatiounen aloosse sollen:

Cases like this can feed into a perception in the media and the general public that the Internet is a dark place from which children need to be protected. That attitude can actually make it more difficult to protect children, Finkelhor said.

“It makes people more afraid of the Internet, and it really changes what the prevention implications are,” he said. Rather than trying to prevent problems by banning Internet and social media use outright, “we should be telling kids why they shouldn't get into these relationships.”

D'ICT maachen d'Dier op an eng immens spannend Welt, firwat also net och d’Kanner drun deelhuele loossen, zumools wann d’Erwuessener als Virbiller permanent digital Medien an hirer Géigewaart notzen? Ausserdem kënnt fréier oder spéider den Alter vun de Kanner wou hir Eltere lassloosse mussen, mee genau wéi ee Kanner dann nach net op eege Fauscht an eng Vakanz zéie léisst, hinnen dofir awer erlaabt mat professionellem Begleetpersonal an eng Kolonie ze goen, sou wier et och néideg si beim Iwwergang vun den analogen an déi digital vernetzte Medien ze begleeden.

Ee weidere wichtegen Aspekt fir online net zum Affer ze ginn ass Resilienz. Déi baut een awer net op andeem s een d'Kannerzëmmere sou fréi wéi méiglech mat TV, Computer a Spillkonsol equipéiert an deene Jonken en Zougank zum mobilen Internet erméiglecht, mee andeem s ee mol fir d'éischt dofir suergt, dass sech eng gesond Bindung tëscht de Kanner a Bezuchspersounen am reale Liewen entwéckele kann.

A sou ass et leider net verwonnerlech wann deen am Artikel zitéierten David Finkelhor, Direkter vum Crimes Against Children Research Center op der University of New Hampshire, drop hiweist, dass eng grouss Partie vu Kanner déi Affer gi vun dëser Zort vu Verbrieche keng gutt Relatioun mat hiren Elteren hunn.


It's money that matters

Die in der Presse bereits Anfang des Jahres angekündigten und vom Minister einen Monat später bestätigten Sparmaßnahmen im Bildungswesen, der daraufhin geäußerte und sofort auf Widerstand der Lehrergewerkschaften gestoßene Regierungsvorschlag, sowie die sich in diversen Petitionen manifestierende und in einem Streikaufruf gipfelnde Reaktion auf die geplante Reform des Gesetzes über die Studienbeihilfen zeigen momentan wie kontrovers die Frage ob öffentliche Bildung eher als Ausgabe oder Investition anzusehen ist diskutiert wird.

In einem Artikel der ZEIT wird heute berichtet, dass Forscher der Universität Harvard (beide Ökonomen) herausgefunden haben wollen, dass Geld nicht ausschlaggebend sei für den Erfolg einer Schule. Die Autorin:

"Wie haben die Forscher eine Schulkultur gemessen, die bessere Leistungen ermöglicht? An der Menge des Feedbacks, das die Lehrer erfuhren, der Zahl der Tage, an denen Schüler in kleinen Gruppen unterrichtet wurden, an der Anzahl der Bewertungen und Beurteilungen, die die Schüler bekamen, und schließlich an der Zahl der Stunden, die die Schüler tatsächlich an ihren Tischen verbrachten. Jeder der Faktoren korrelierte mit besseren jährlichen Testergebnissen. Die traditionellen Zutaten, die man gewöhnlich für wichtig hält, zeigten nicht diese Korrelation."

Bevor man eventuell der Versuchung erliegt, diese Ergebnisse auf das deutsche (oder luxemburgische) Schulsystem zu übertragen, wäre wohl erstmal zu klären wie man die Umstellung von einem altmodischen System auf ein modernes, das den Gegebenheiten der untersuchten amerikanischen Schulen Rechnung trägt, bewerkstelligen könnte. Ich beschränke mich mal, im folgenden auf die zitierten Faktoren einzugehen.

- Um eine möglichst zeitnahe Feedback-Kultur zwischen allen Akteuren der Schule zu gewährleisten müssten heutzutage alle (Schüler, Lehrer und Eltern) auf sichere Informations- und Kommunikationstechnologie zurückgreifen und auch kompetent sein diese nutzen zu können. In diesem Bereich bleiben aber im luxemburgischen Schulwesen noch viel Sensibilisierungsarbeit zu bewältigen sowie infrastrukturelle Lösungen zu suchen.

- Um in kleinen Gruppen unterrichten zu können, braucht man entsprechende Räume die in vielen Schulen fehlen und wohl auch kaum durch Renovierungsarbeiten alter Schulgebäude schnell zu realisieren wären, jedenfalls nicht auf kostengünstige Art und Weise, wenn man betrachtet wie öffentliche Gebäude in Luxemburg renoviert oder geplant werden.

- Schließlich müssten die Unterrichtszeiten den Lebensrhythmen angepasst werden, wobei auch unbedingt in den Stundenplänen der Grundschule sinnvolle Möglichkeiten zur Bewegungsentfaltung vorgesehen sein sollten. Im Sekundarunterricht könnte man hingegen beispielsweise Standing Desks zur Verfügung stellen, damit sich eventuell zusätzliche an Tischen verbrachte Zeit nicht negativ auf die physische Gesundheit der Jugendlichen auswirken würde.

Somit wird wohl auch diese Schule ihren Preis haben, werte Ökonomen. Demnach wäre es besser heute sinnvoll in die Schule zu investieren, um dadurch in Zukunft redundante finanzielle Mittel einzusparen, statt heute zu sparen, und in der Zukunft wieder mehr Mittel zu fordern um die negativen Auswirkungen der heutigen Sparmaßnahmen auszumerzen.

Kleidung an Schulen


Den Auftakt machte ein Artikel im Netz von L'essentiel, dessen Anlass vermutlich die erstmals für dieses Jahr tagsüber angenehmen Temperaturen war. Der Artikel berichtet, dass rund fünfzehn luxemburgische Lycées über eine Kleiderordnung verfügen. Als Beispiel wurde das LTMA in Petingen genannt, deren Charta bereits seit Schulanfang in Kraft wäre. Den entsprechenden Artikel im Règlement interne kann man übrigens unter Punkt 9 nachlesen. Auf den Artikel folgen teils heftige Kommentare von (größtenteils pseudo- respektiv anoymen) Lesern, worauf die Redaktion die Kommentarfunktion abschaltete.

Drei Tage später erschien ein zweiter Artikel zur Thematik, diesmal auf Wort.lu, dessen Autor auf Nachfrage in der Petinger Schule vom Direktor die Information erhielt, dass die Kleiderordnung vom Conseil d'éducation mitgetragen wird. Als weiteres Beispiel führt der Autor dann das LTC auf Limpertsberg an, da es scheinbar ebenfalls über eine "detaillierte Kleiderordnung" verfüge, die ich allerdings nicht auf der Website der Schule gefunden habe. Der LTC-Direktor wird im Artikel mit einer Aussage zitiert, die einerseits den Blogger Maxime Weber dermaßen erzürnt hat, dass er den Schuldirektor als "Musterbeispiel für patriarchalistisches Gehabe" bezeichnet, andererseits aber laut der Antwort des Wort-Journalisten Volker Bingenheimer "den ganzen Vormittag lang für gute Laune in der Redaktion gesorgt hat".

Der Wort-Artikel wurde übrigens auch auf Twitter kritisch hinterfragt. Gehören solche Artikel zum Qualitäts-Journalismus, wie ihn die selbst ernannte Nummer 1 der Luxemburger Presse versteht oder gilt hier vielleicht der Hinweis, dass Wort.lu nicht gleich Luxemburger Wort ist? Gerade von einer Online-Zeitung könnte man sich neben einer kritischen statt tendenziösen Berichterstattung weiterführende Links zum Thema erwarten. So könnte man der freien Kleiderwahl die Schuluniform-Pflicht gegenüberstellen und dabei herausfinden, dass es auch Alternativen gibt, die man hier und da Schulkleidung nennt. Oder man könnte die Frage stellen, wie die Kleidung der LehrerInnen auf die SchülerInnen wirkt. Bevor man sich 2 Beispiele von 15 herauspickt, könnte man auch recherchieren wo die Kleiderordnungen der respektiven Schulen nachzulesen sind, mancherorts reicht nämlich schon ein beschriftetes Bild.

Aber vielleicht braucht man gar nicht selbst über das Thema zu schreiben, wenn man den Jugendlichen das Wort(.lu) gibt, wie es die ZEIT in der Ausgabe 11/2014 getan hat.

[UPDATE 21.03.2014]: Im d'Lëtzebuerger Land hat Ines Kurschat weiter zum Thema recherchiert.