Kleidung an Schulen


Den Auftakt machte ein Artikel im Netz von L'essentiel, dessen Anlass vermutlich die erstmals für dieses Jahr tagsüber angenehmen Temperaturen war. Der Artikel berichtet, dass rund fünfzehn luxemburgische Lycées über eine Kleiderordnung verfügen. Als Beispiel wurde das LTMA in Petingen genannt, deren Charta bereits seit Schulanfang in Kraft wäre. Den entsprechenden Artikel im Règlement interne kann man übrigens unter Punkt 9 nachlesen. Auf den Artikel folgen teils heftige Kommentare von (größtenteils pseudo- respektiv anoymen) Lesern, worauf die Redaktion die Kommentarfunktion abschaltete.

Drei Tage später erschien ein zweiter Artikel zur Thematik, diesmal auf Wort.lu, dessen Autor auf Nachfrage in der Petinger Schule vom Direktor die Information erhielt, dass die Kleiderordnung vom Conseil d'éducation mitgetragen wird. Als weiteres Beispiel führt der Autor dann das LTC auf Limpertsberg an, da es scheinbar ebenfalls über eine "detaillierte Kleiderordnung" verfüge, die ich allerdings nicht auf der Website der Schule gefunden habe. Der LTC-Direktor wird im Artikel mit einer Aussage zitiert, die einerseits den Blogger Maxime Weber dermaßen erzürnt hat, dass er den Schuldirektor als "Musterbeispiel für patriarchalistisches Gehabe" bezeichnet, andererseits aber laut der Antwort des Wort-Journalisten Volker Bingenheimer "den ganzen Vormittag lang für gute Laune in der Redaktion gesorgt hat".

Der Wort-Artikel wurde übrigens auch auf Twitter kritisch hinterfragt. Gehören solche Artikel zum Qualitäts-Journalismus, wie ihn die selbst ernannte Nummer 1 der Luxemburger Presse versteht oder gilt hier vielleicht der Hinweis, dass Wort.lu nicht gleich Luxemburger Wort ist? Gerade von einer Online-Zeitung könnte man sich neben einer kritischen statt tendenziösen Berichterstattung weiterführende Links zum Thema erwarten. So könnte man der freien Kleiderwahl die Schuluniform-Pflicht gegenüberstellen und dabei herausfinden, dass es auch Alternativen gibt, die man hier und da Schulkleidung nennt. Oder man könnte die Frage stellen, wie die Kleidung der LehrerInnen auf die SchülerInnen wirkt. Bevor man sich 2 Beispiele von 15 herauspickt, könnte man auch recherchieren wo die Kleiderordnungen der respektiven Schulen nachzulesen sind, mancherorts reicht nämlich schon ein beschriftetes Bild.

Aber vielleicht braucht man gar nicht selbst über das Thema zu schreiben, wenn man den Jugendlichen das Wort(.lu) gibt, wie es die ZEIT in der Ausgabe 11/2014 getan hat.

[UPDATE 21.03.2014]: Im d'Lëtzebuerger Land hat Ines Kurschat weiter zum Thema recherchiert.